Mülheim. Ein Musical in Sankt Barbara?! Da denkt man automatisch an die Lebensgeschichte des katholischen Widerstandskämpfers Nikolaus Groß und seiner Frau Elisabeth. Seit 1998 haben 150 Aktive aus der Gemeinde im Stadtteil Dümpten das Leben und Leiden des Nikolaus Groß mit ihren Musical-Aufführungen lebendig gemacht.

Doch jetzt wagen sich rund 70 Gemeindemitglieder, auf, vor und hinter der Bühne, an ein neues Musical-Projekt im Auftrag des katholischen Hilfswerkes Adveniat. Aus dem Nikolaus-Groß-Darsteller Jürgen Wrobbel wird der Indio-Bauer Juan Diego, dem am 12. Dezember 1531 in Guadelupe (Mexiko) die Mutter Gottes erschienen ist. „Ich stehe einfach gerne auf der Bühne und begeistere Menschen mit dem, was mich begeistert. Und mich begeistert die Geschichte der Schutzpatronin Amerikas, zu der jedes Jahr 21 Millionen Menschen pilgern und die ich bis zum Anfang dieses Jahres gar nicht kannte“, erklärt der 59-jährige Hauptdarsteller seine Motivation. Zum Vergleich: Nach Lourdes pilgern jährlich vier Millionen- und nach Mekka drei Millionen Menschen.

Jürgen Wrobbel zur Seite steht sehr authentisch und klangvoll die 17-jährige Michelle Pasquale aus dem We-belive-Chor von St. Barbara. Warum hat sie es, trotz Abiturstress auf sich genommen, in die Rolle der Mutter Gottes von Guadelupe zu schlüpfen. „Ich singe gerne und ich bin sehr gläubig. Das ist eine Ehre für mich und mein Dank an die Mutter Gottes“, sagt die Schülerin.

Am Jahrestag der Erscheinung der Mutter Gottes von Guadelupe konnten rund 400 Zuschauer in der vollbesetzten Barbarakirche am Schildberg eine berührende und inspirierende Aufführung miterleben, in der einige Szenen aus dem geplanten Musical in beeindruckenden Kostümen und vor der nicht minder beachtlichen Kulisse eines aztekischen Uhrenbildes gespielt wurden. Für das Kulissenbild und die Kostüme zeichnen die Gemeindemitglieder Frank Barlag, Ellen Wrobbel und Renate Vehling verantwortlich. Aufgeführt wurde die Schlüsselszene, in der die Mutter Gottes dem 2002 von Papst Johannes Paul II. heilig gesprochenen Campesino Juan Diego erscheint und ihn erst einmal von seiner Mission überzeugen muss. Denn er kann nicht begreifen, dass sie ausgerechnet ihn, einen armen und ungebildeten Bauern als ihren Botschafter und Erbauer ihres Heiligtums auserwählt hat, um seinen Landsleuten die Botschaft der barmherzigen und den Armen zugewandten Mutter Gottes zu vermitteln. Darauf hin macht sich Diego auf den Weg, u8m dem Franziskaner-Bischof Zumarraga von seiner Erscheinung zu berichten und ihm sein Gewand zu zeigen, auf dem ihm die Mutter Gottes ihr Abbild hinterlassen hat. Das Gewand von Juan Diego wird bis heute in der Marien-Basilika von Guadelupe gezeigt und hat offensichtlich nichts von seiner Strahlkraft verloren. Mehrere wissenschaftliche Untersuchungen des Gewandes haben gezeigt, dass das Bild der Mutter Gottes weder aufgemalt noch aufgestickt, sondern einfach da ist.

Unter den euphorisch applaudierenden Zuschauern waren auch Nikolaus-Groß-Sohn, Diakon Bernhard Groß und Adveniat-Hauptgeschäftsführer, Prälat Bernhard Klaschka.

Wie beim Nikolaus-Groß-Musical hat Pfarrer Manfred von Schwartzenberg den Text geschrieben und Kirchenmusiker Burkhard Maria Kölsch die Musik komponiert. Das Libretto ist bereits komplett. Die Musik steht erst zu einem Viertel. Über Details wird noch diskutiert. Angestrebt ist eine Uraufführung am 12. Dezember 2017 in St. Barbara.

„Das Musical und die Geschichte, die es auf sehr sympathische Weise erzählt, kann uns Europäern den Spiegel vorhalten und etwas von der lateinamerikanischen Glaubensdynamik und der von Papst Franziskus formulierten Option für die Armen vermitteln“, glaubt Franz Grave. Der emeritierte Weihbischof und langjährige Adveniat-Vorsitzende hat das neue Musical-Projekt in St. Barbara angeregt. Grave weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass auch heute die Lebensräume indigener Ureinwohner in Amazonien, etwa durch Ölbohrungen, wie jetzt in Ecuador, bedroht sind.

Weitere Informationen zum Musical findet man auf der Internetseite: www.virgin-musical.de

Dr. Thomas Emons ist ein Mülheimer Journalist und schreibt u.a. für das Neue Ruhrwort, die WAZ und NRZ und BENE