Pfarrei St.Barbara - Mülheim an der Ruhr

St.Barbara - Christ König - St.Engelbert - St.Mariae Rosenkranz - Sv.Leopold

* * Nachricht aus dem Krisenstab der Pfarrei St. Barbara * *
6, September 2021
 
 
 

Ihr Lieben,

ein schwieriger Wahlkampf spielt sich zurzeit im Hinblick auf die Bundestagswahl Ende des Monats um uns herum ab. Und es sind epochale Themen, die vor uns liegen und ihrer Bewältigung harren: Energiewende, Klimawandel, gesellschaftliches „Klima“, Flüchtlinge & Migration, Demografie & Generationengerechtigkeit, erschwinglicher Wohnraum, Bewältigung der Pandemie und hinter allem Multikulturalität & Religionen. Die Erosion der klassischen Parteienlandschaft ist enorm. Wenn Markus Söder wie ein trotziger „Pubi“ den Satz von sich gibt: „Ich habe keinen Bock auf Opposition.“, wird auch dem letzten Bürger in der Republik deutlich, dass nach der Wahl keine „GroKo“ mehr ansteht, und es recht heftig werden kann. Ist das ein epochaler Wandel?

Derweil offenbart der Blick auf unsere Kirchenlandschaft Ähnliches. Das klassische Leitungsmodell von Pfarrei ist bald schon Geschichte. Realistisch betrachtet, führt das Fehlen von Priestern nicht nur zur Auflösung desselben, sondern wird uns auch schon sehr bald mit der Frage konfrontieren, woher unsere Bischöfe kommen sollen. Ich gebe es gerne zu, dass mich dieser stetig und nicht gerade langsam steigende Druck im Kessel nicht nur bedrückt, sondern irgendwie neugierig darauf macht, wann endlich dieser von Ängsten und Macht zerfressene Apparat sich an Lösungen annähert, die es möglicherweise schon binnen der nächsten fünf bis zehn Jahre nicht mehr gibt, weil die Frauen die Nase voll haben und aus dieser Kirche auswandern. Und der Sog der zumindest inneren Emigration ist doch in fast allen Bereichen der Kirche längst offensichtlich. Es gibt m. E. nur den einen Weg: Machtverzicht der Bischöfe im Ausgleich mit Partizipation an Leitung und Gestaltungskraft.

Und auch uns steht eine Wahl ins Haus, die zwar „erst“ Anfang November stattfinden, aber das kirchliche Gefüge vor Ort entscheidend verändern wird. Ohne in die Glaskugel zu schauen oder im Kaffeesatz zu lesen, ist nicht nur mir längst klar, wie müde und verbraucht die Kräfte sind, die de Pfarrei und ihre Gemeinden in die neue Gestalt seit 15 Jahren geführt und begleitet haben. Ihnen gehören größter Respekt und tiefer Dank! Ich erwarte und wir brauchen im neu zu wählenden bzw. zu installierenden Pfarrgemeinderat einen Generationenwechsel. Nicht weil die bisherigen PGR-Mitglieder schlecht sind, sondern weil die Herausforderungen der Zukunft eine andere Sicht auf die Pfarrei als Handlungsort sowie auf lokale Strukturen als Lebensorte [Gemeinden] brauchen. Die Pfarrei als Gemeinschaft von Gemeinden ist nicht überholt, aber sie ist auch eine eigene Größe und Chance, Glauben zu erfahren und zu leben. Die neue PGR-Satzung gibt das Gerüst dazu her. Ich hoffe auf viele oder zumindest genügend Menschen, die sich mutig, kraftvoll und kreativ diesen Zukunftsaufgaben stellen.

Und obendrein gibt es noch den aktuellen Gemeindebrief St. Engelbert, der sich hoffentlich nach der PGE-Wahl durch geeignete Kommunikations-angebote in der Pfarrei erübrigen kann. Ich wünsche viel Freude und Erkenntnis beim Lesen und verbleibe mit gesegnetem Sonntagsgruß,

Michael Clemens, Pastor    

 

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