Zahl der Entführten in Syrien gestiegen IS verschleppt offenbar 220 Christen

TAGESSCHAU Stand: 26.02.2015 15:54 Uhr

Die Kämpfer des "Islamischen Staates" haben in Syrien offenbar deutlich mehr assyrische Christen verschleppt als vermutet. Nach neuen Berichten entführten sie mindestens 220 Menschen - unter ihnen vermutlich zahlreiche Kinder und alte Menschen.
Karte: Syrien mit Provinz Hassaka
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Die Terrormiliz "Islamischer Staat" hat im Nordosten Syriens offenbar deutlich mehr assyrische Christen entführt als zunächst angenommen. Die Islamisten hätten in den vergangenen drei Tagen elf Dörfer überfallen und mindestens 220 Menschen verschleppt, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Unter den Opfern sollen viele alte Menschen, Frauen und Kinder sein. Die Angaben der Beobachtungsstelle sind wegen des Bürgerkriegs in Syrien nicht zu überprüfen, sie verfügt im Land aber über ein dichtes Netz an Informanten, insbesondere unter Ärzten und Oppositionellen.
Tausende Menschen sind auf der Flucht.

 

Die überfallenen Dörfer liegen alle in der Provinz Hassaka. Laut der Beobachtungsstelle stürmten die IS-Kämpfer am Montag zunächst zwei bislang von kurdischen Einheiten kontrollierte Dörfer und entführten 90 Menschen. In den folgenden Tagen wurden weitere christliche Ortschaften erobert und Bewohner verschleppt. Tausende Einwohner sind vor den IS-Terroristen auf der Flucht. Vor Beginn des syrischen Bürgerkriegs vor fast vier Jahren lebten in Syrien etwa 30.000 assyrische Christen, die meisten von ihnen in Hassaka.
Missbraucht als "menschliche Schutzschilde"?

Nach Angaben des Leiters des assyrischen Netzwerks für Menschenrechte, Osama Edward, wurden die Verschleppten vermutlich in die IS-Hochburg Schaddadi gebracht. Dort würden sie vermutlich als "menschliche Schutzschilde" missbraucht oder zum Austausch gegen IS-Gefangene der Kurden eingesetzt.

UN und USA verurteilen Entführungen

Die USA und der UN-Sicherheitsrat verurteilten die Entführungen und verlangten die sofortige Freilassung der Christen. Die Taten seien "ein weiterer Beleg für die Brutalität des IS" gegenüber Menschen verschiedener Religionen, Ethnien und Nationalitäten, erklärte das höchste UN-Gremium.

Bei den Übergriffen und Entführungen von Bewohnern handele es sich nur um die jüngsten Gräueltaten, die die Extremistengruppe gegen unschuldige Menschen verübt habe, sagte US-Regierungssprecherin Bernadette Meehan. Dabei verwies sie auf Berichte, wonach die IS-Miliz in der Nähe von Tikrit mehr als 100 irakische Sunniten gefangen genommen habe, darunter Kinder. Außerdem habe die Dschihadistengruppe irakische Kurden in Käfige gesteckt und sie in brutaler und menschenverachtender Weise zur Schau gestellt. Meehan bekräftigte, die USA würden den globalen Kampf gegen die IS-Miliz weiterhin anführen, um die Gruppe zu zerschlagen.