Pfarrei St.Barbara - Mülheim an der Ruhr

St.Barbara - Christ König - St.Engelbert - St.Mariae Rosenkranz - Sv.Leopold




Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung

preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.

 

Das Evangelium Tag für Tag  / Tagesliturgie


 

Michael ClemensDass Papst Franziskus immer für eine Überraschung gut ist, hat er erneut auf seiner jüngsten Afrika-Reise unter Beweis gestellt. Noch vor der Öffnung der Heiligen Pforte im Petersdom, die am 8. Dezember erfolgen und das Heilige Jahr einläuten sollte, öffnete er in einer anrührenden Zeremonie die „Tür des Herrn“ in der Kathedrale von Bangui [Zentralafrikanische Republik] und damit vorzeitig das Heilige Jahr der Barmherzigkeit. Ein starkes Zeichen in der Hauptstadt eines Landes, das von einem langjährigem, grausamen Bürgerkrieg gezeichnet ist, der Tausende von Toten und Hunderttausende von Flüchtlingen gekostet hat.
 

Es sind Gesten, die – im wahrsten Sinn des Wortes – von Herzen kommen, nicht von langer Hand geplant oder einstudiert. Erinnern wir uns an die Momente nach seiner Wahl. Schon damals konn- te er die Herzen der Menschen  – durch Menschlichkeit –  gewinnen. Vor Segen oder Ansprache bat er damals schlicht und ergreifend darum, für ihn zu beten. Genauso drückte er jetzt diesem so arg gebeutelten Land, ja dem afrikanischen Kontinent, seine Wertschätzung aus und erklärte für diesen Moment Bangui zur „spirituellen Hauptstadt der Welt“.

Ich glaube, wir alle, die ganze Welt, kann / können und sollte[n] uns zu Herzen nehmen, was Papst Franziskus sagt und tut. In entwaffnender Direktheit entlarvt er das höfische Zeremoniell im Vati- kan, aber ebenso überall, wo es praktiziert wird. Die vielen servilen Floskeln, die auch bei uns in Gebrauch sind. Ich denke noch daran zurück, als ich als frisch gebackener Jungpriester zum ersten Mal die Anrede „Lieber Herr Mitbruder“ hörte. Paradox, dachte ich sofort, was denn jetzt: Herr oder Mitbruder? Ähnlich ist es mit den kirchlichen Titulaturen, den  Exzellenzen und Eminenzen. Was für ein Zirkus wird auch bei uns doch oft um Äußerlichkeiten gemacht. Die kirchliche Binnen- welt, nicht nur die katholische [!], verrät dem Außenstehenden allein durch solche Äußerlichkeiten mehr über ihre innere Befindlichkeit, als sie verraten möchte, wie wenig sie es doch oft mit ihrem Herrn und Meister hält.
Das unvorstellbare Leid und die Grausamkeit des Krieges, die wir leider immer noch in unserer so aufgeklärten Welt registrieren müssen, ja die völlige Destabilisierung einer ganzen Weltregion als Folge westlichen Eingreifens lassen die binnenkirchlichen Eitelkeiten und Wichtigkeiten als völlig nebensächlich verblassen.

Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit kommt gerade zur rechten Zeit. Wir sollen begreifen lernen, wie überbordend großartig das Geschenk der Barmherzigkeit des himmlischen Vaters ist, neu lernen, dass es ein erlösendes Zeichen dieser Barmherzigkeit ist, vor ihm mein auch von Schuld be- ladenes Herz auszuschütten, um seine Vergebung und Versöhnung zu erfahren.
Die barmherzige Liebe Gottes und die daraus reflektierende barmherzige Liebe aller, die diesem Gott vertrauen und glauben, sollte uns nachdenklich und umkehrbereit machen.
Auch in unseren Pfarreientwicklungsprozessen kann das Heilige Jahr der Barmherzigkeit gute spirituelle Impulse geben, nicht nur den eigenen Vorteil, sondern das Ganze im Blick zu behalten, nicht nur behalten und nehmen, sondern auch loslassen und geben zu können.

Vergessen wir nicht: Auch in der Kirche gibt Probleme mit Armut und Reichtum, Habgier und Groß- zügigkeit, Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit.
Ich wünsche uns dabei, dass es gelingt, den Entwicklungsprozess auch spirituell zu durchdringen,
damit wir uns und der Botschaft, die wir tragen, entsprechen und glaubwürdig bleiben. Manchmal sind es die kleinen, spontanen Zeichen, die entspannen und menschlich gewinnen.
 
Einen gesegneten 2. Advent wünscht Euch und Ihnen
Ihr und Euer Pastor Michael Clemens