Pfarrei St.Barbara - Mülheim an der Ruhr

St.Barbara - Christ König - St.Engelbert - St.Mariae Rosenkranz - Sv.Leopold




Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung

preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.

 

Das Evangelium Tag für Tag  / Tagesliturgie


 

Pfarreienentwicklung: Kirchen um jeden Preis oder Treffpunkte erhalten?
von Michael Clemens
aus dem Newsletter Sankt Engelbert Nr. 34/2015
 
Mit Ende der Sommerpause geht nun auch der Pfarreienentwicklungsprozess in eine erste aktive
Phase. Gemäß dem bewährten Modell „Sehen – urteilen – handeln“ reist die Bewertungskommission des
BGV [Bischöfl. Generalvikariat] herum, um sämtliche Liegenschaften in Augenschein zu nehmen und dann
zu bewerten. Was ist ihr Wert? Welcher Erhaltungsaufwand steht an? Es ist gut und sachlich, diese Bewer-
tung nicht den Pfarreien zu überlassen. Diese sind z. T. noch mit den Folgen der internen Bewertung unter
pastoralen, materiellen, ideellen und kulturellen Gesichtspunkten sicher überfordert. Denn am Ende könnte
ja das Fazit stehen: Wir geben diese und / oder jene Kirche auf. Wir geben diese oder jene Gemeinde auf.
Wir lösen gar die ganze Pfarrei auf, um sie mit der Pfarrei X oder den Pfarreien XY zusammenzuschließen.
Etwas platter würde man das direkt vor Ort sehen und sagen: Wir schaffen uns ab.
 

Seien wir ehrlich: Je älter und nach Kriegsschäden aus Kostengründen eher nach Funktionalität wieder auf-
gebaute Kirchen und Gebäude sind, desto länger wurden doch die Investitionsbedarfe gestreckt und ver-
steckt – und hauen uns jetzt in die Pfanne. Den eilig nach Kriegsende mit dürftigen Materialien hochgezo-
genen Gebäuden geht es ähnlich – und vielen extravagant von namhaften Architekten hochgezogenen
Neubauten erst recht.
 
Es ist unstreitig: Kirchen prägen unsere Stadtbilder. Wer Länder kennt, die beschlossen haben, ohne Kir-
chen auszukommen, weiß, was er vermisst. Es ist auch unstreitig, dass der Rückzug aus dem Stadtbild, d.
h. der Abriss oder die Verödung von Kirchen, ein Signal ist, dessen Symbolwert uns allen in seiner ganzen
Tragweite noch gar nicht bis zu Ende denkbar erscheint. Zumal nicht angesichts einer wachsenden Anzahl
von nicht zu übersehenden, neu errichteten Moscheegebäuden.Was aber braucht eine christliche Gemeinde, vielleicht eine kleine christliche Gemeinde?
Einen geschichtlich überkommenen Kirchenbau, der sich nicht pragmatisch parallel auch als Versammlungs-
ort und Treffpunkt für alle Facetten des Gemeindelebens nutzen lässt, aber eben Kirche durch Kirchenraum
repräsentiert?
 
Viele moderne Kirchbauten sind eher multifunktional denkbar, weil durch Einbauten teilbar in Gottesdienst-
und Versammlungsraum für auch geselliges Gemeindeleben. Was aber ist mit den vielen historistisch kon-
zipierten Kirchbauten der frühen Industrialisierung, den neuromanischen, neugotischen?
Wer so viel Geld in die Hand zu nehmen vermag, eine solche Kirche sinnvoll und pragmatisch durch Einbau-
ten geteilt zu nutzen, kann ernsthaft auch über Abriss und Neubau nachdenken.Wem dagegen das Stadtbild und die symbolische Prägung auch zum Bekenntnis des „christlichen Abendlands“ zuvörderst am Herzen liegt, sollte so viel Einfluss haben, die Zivilgesellschaft zur planerischen und
materiellen Beteiligung zu bewegen.
 
Denkbare Wege sind vereinbare Umnutzungen von Kirchenräumen, Nutzungsübereignungen an kirchliche
Gemeinschaften, die z. B. durch Flucht oder Vertreibung zu uns gelangt sind, Gewinnung von Investoren für
anderweitige, sinnverträgliche Neunutzungen, am Ende Abriss für Wohnungsbau.Doch auch ich als mittlerweile eher älterer Christ empfinde trotz räumlicher und emotionaler Gebundenheit an die Engelbertuskirche eher die Bereitschaft, mich schrittweise von dieser zu kontrolliertem Verfall zu ver-
abschieden, das Gemeindeleben aber inkl. des gottesdienstlichen in unserem Gemeindezentrum finanzier-
bar aufrecht zu erhalten. Sorry, das ist mit Tränen, nicht einfach locker gesagt: Die lebendigen Bausteine,
die Menschen unserer Gemeinde, sind mir letztendlich wichtiger als die Steine des Kirchenbaus.
Und der Beitrag der Engelberter zum menschenwürdigen, gerechten Leben aller in unserem Stadtteil ist mir
wichtiger als der zweifelsohne markante, aber nicht unbedingt für die Ewigkeit notwendige Kirchturm unserer
vom Krieg gezeichneten Kirche und Gemeinde.
 
Lasst uns über diese Problematiken nachdenken, austauschen, streiten und mit allen, die das ebenfalls in irgendeiner Weise betrifft, reden; denn wir leben nicht allein diesem Stadtteil und dieser Stadt.
 
Einen herzlich-nachdenklichen Sonntagsgruß schickt Euch und Ihnen
Ihr und Euer Pastor Michael Clemens