Pfarrei St.Barbara - Mülheim an der Ruhr

St.Barbara - Christ König - St.Engelbert - St.Mariae Rosenkranz - Sv.Leopold




Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung

preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.

 

Das Evangelium Tag für Tag   /   Gebet des Tages & Messtexte


 

Es ist selten, dass es zu einem offenen Schlagabtausch zwischen dem höchsten deutschen Laiengremium, dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken [ZdK], und der Deutschen Bischofskonferenz [DBK] kommt. 1. ist der „Geistliche Assistent“ des ZdK in der Regel ein residierender Diözesanbischof, und 2. ist das Präsidium meist mit gewieften prominenten Altpolitikern, wie derzeit dem bayerischen Christsozialen Alois Glück, besetzt, die kompromisserfahren und keine „jungen Wilden“ sind.


Doch am 8. / 9. Mai in Würzburg, wo die Vollversammlung des ZdK tagte, wurde auch das Positionspapier der deutschen Laienkatholiken zur im Herbst in Rom stattfindenden Weltbischofssynode zur Familie zur Abstimmung gestellt und einstimmig angenommen. Es trägt den Titel „Zwischen Lehre und Lebenswelt Brükcken bauen“ und beinhaltet zwei Forderungen, um deren ausdrückliche Erwähnung insbesondere der Dachverband der kath. Jugend, der BDKJ, sich besonders stark gemacht hatte. Es waren die Forderung liturgischer Segensfeiern für gleichgeschlechtliche und wiederverheiratet geschiedene Paare sowie nach vorbehaltloser Akzeptanz fester gleichgeschlechtlicher Partnerbeziehungen.
Die Reaktionen kamen prompt und fielen gegenseitig ungewohnt scharf aus. Am 11. Mai postete der junge Passauer Bischof Stefan Oster auf seiner Facebook-Seite, für ihn sei der Beschluss des ZdK ein „dramati- scher Kurswechsel“ und „nicht nachvollziehbar. Das ZdK vernachlässige damit das biblische Menschenbild und verändere die katholische Lehre über Ehe und Sexualität. Ob hier einer der „Neuen“ vorpreschen wollte oder vorgeschickt wurde, ist zunächst reine Spekulation. Jedoch ließ die ebenso saftige Retourkutsche des ZdK nur einen Tag auf sich warten.
Am 12. Mai meldete sich der Generalsekretär Stefan Vesper zu Wort und empfahl, doch den gesamten Text zu lesen, um die eindeutige Präferenz der Aussagen auf der lebenslang treuen Ehe zwischen Mann und Frau zu sehen. Vesper wörtlich: "Wer Brücken zwischen Lehre und Lebenswelt bauen will, wendet sich gerade nicht von dieser Lehre ab, sondern er oder sie wendet sich ihr zu." Die Wertschätzung aller Formen der Partnerschaft sei eben vor allem auch ein Anliegen junger Christen. Etwas süffisant merkte Vesper noch die Einstimmigkeit des Beschlusses an, d. h. im Klartext: Bischof Gebhard Fürst, Rottenburg-Stuttgart, Geistlicher Assistent, habe den Beschluss mitgetragen.
Es war klar, dass es bei bischöflichen Einzelmeinungen nicht bleiben würde. Bis zum 15. Mai ließ sich und der Diskussion der Vorsitzende der DBK, Erzbischof Reinhard Kardinal Marx, Zeit, um sich für die Bischofskonferenz zu äußern. Er bezeichnete die Forderungen als „theologisch nicht akzeptabel“, ‚Die Forderung nach einer Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und einer zweiten kirchlich nicht anerkannten Ehe sei mit der Lehre und Tradition der Kirche nicht vereinbar. Das gleiche sei bei einer 'vorbehaltlosen Akzeptanz' des Zusammenlebens in festen gleichgeschlechtlichen Partnerschaften der Fall.‘ Interessant ist allerdings, was folgte: Beide Themen bedürften einer weiteren theologischen Klärung und nicht vorschneller, plakativer Forderungen, sagte der DBK-Vorsitzende. "Eine sicher notwendige theologische Debatte und ein innerkirchlicher Dialog werden so nicht gefördert." Kurzum an beide Seiten: „Mal langsam mit den jungen Pferden!“ Das sollten vermutlich mehr Kontrahenten bedenken, denn heute veröffentlichte Bischof Oster auf seiner Facebook-Seite einen Brief seiner bischöflichen Mitbrüder aus Augsburg, Eichstätt, Görlitz, Regensburg und Würzburg, die ihm ausdrücklich den Rücken stärkten.

Ungeachtet der Einordnung in unserem aktuellen Gemeindebrief erscheint mir die Formulierung im Positionspapier des ZdK als akzeptabel, aber theologisch noch nicht genügend diskutiert. Daher atmet aus meiner Sicht die souveräne Stellungnahme des Kardinals eher das Vertrauen unseres Bischofs in seine Priester, denen er genügend pastorale Klugheit unterstellt, mit der manche pastorale Einzelfallbetrachtungen eher zu einer zufriedenstellenden Lösung führen als generalisierende, plakative Lösungen, die aktuell im gesamtgesellschaftlichen Umfeld zwar Beifall finden, aber binnenkirchlich noch keine Akzeptanz. Wir sollten uns gegenseitig die Zeit lassen, in Unaufgeregtheit den notwendigen theologischen Dialog auszuhalten und fair miteinander zu führen. Alles andere erzeugt wieder Lagerbildungen und Spaltung. Das hilft niemandem.

Ihr und Euer Pastor Michael Clemens